Der Krise mit Selbstvertrauen begegnen

In aktuellen Zeiten, wo uns allen vertraute, selbstverständlich gewordene Dinge abhanden kommen, sind wir gefordert, uns in einer unsicheren Situation zurechtzufinden und uns hinsichtlich Alltag, Familienleben, Arbeit und sozialen Beziehungen neu zu orientieren. Wir sind aufgefordert, uns damit auseinanderzusetzen, dass wir vielleicht für längere Zeit unsere Familie, unsere Freunde oder Arbeitskolleg*innen nicht sehen können. Wir hadern mit wichtigen Erledigungen, die wir zu tun hätten. Wir bedauern, dass wir eine geplante Reise nicht machen können. Wir machen uns Sorgen um Eltern, Geschwister, Kinder. Wir sind zur Isolation und zum sozialen Rückzug gezwungen. 

Die Gefühle, die uns beschäftigen, sind vermutlich nicht nur Angst, Unsicherheit und eine zumindest vorübergehende Orientierungslosigkeit. Wir sind aller digitalen Möglichkeiten zum Trotz auf gewisse Weise vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Ein lebendiger Austausch und ein emotional spürbares Gegenüber lassen sich auch durch die beste App nicht herstellen.

Menschen mit psychischen Belastungen, Erkrankungen, mit körperlichen Behinderungen oder kognitiven Einschränkungen sind vielfach daran gewöhnt, Situationen zu meistern, wie sie uns im Moment begegnen. Ein partieller Ausschluss aus der Gesellschaft ist für viele von ihnen die Normalität. Beschränkungen in der Bewältigung des Alltags, Grenzen in Bezug auf die Teilnahme an der Arbeitswelt, Verzicht an Kontinuität in Beziehungen und die geringe Integration in kulturelle, schöpferische Tätigkeiten sind geradezu symptomatisch.

Behinderung ist definiert als das Zusammenspiel von individueller Einschränkung einerseits und der Barrieren, die die gesellschaftliche und kulturelle Umwelt aufgrund eines dahinterliegenden  Menschenbildes erschafft, andererseits. Inklusion bedeutet, Beschränkungen für Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen nachhaltig abzubauen, im Mindesten aber, sich dessen bewusst zu sein, dass es diese Beschränkungen gibt.  

In Zeiten, die wir als Krisen erleben, sollten wir uns auf unser Selbstvertrauen konzentrieren. Darauf, dass wir auch andere schwierige Zeiten „überlebt“ haben, dass wir Strategien gefunden haben, uns in Krisen zurechtzufinden und sie zu meistern. Vielleicht haben wir aus der Erfahrung mitgenommen, Hoffnung zu bewahren, dass die Krise auch irgendwann vorüber ist. Im besten Fall stellen wir uns vor, wie es sein wird, wenn wir wieder zu einem normalen Leben zurückkehren können. Betroffene psychischer Erkrankungen haben gelernt, dass Einschränkungen zu ihrem Lebensalltag gehören. Erinnern wir uns in „normalen“ Zeiten daran.

Claudia Stoifl, Arbeitsassistentin im Institut zur beruflichen Integration Gänserndorf

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